Was hat unser Museum mit unserer Demokratie zu tun?

Was war unser Stadtmuseum, bevor es zum Museum wurde? Diese Frage stellen wir, um uns auf die Spuren der sächsischen Demokratiegeschichte zu begeben und das Stadtmuseum zu einem Ort des Dialogs und der Vielfalt, zu einem lebendigen Ort der Demokratie zu machen.

Die Geschichte des Dresdner Stadtmuseums ist eng mit der Demokratiegeschichte Sachsens verbunden. Unser Gebäude wurde zwischen 1770 und 1775 erbaut und diente als Versammlungsort der sächsischen Stände sowie als Steuerhaus. Nach der Einführung der sächsischen Verfassung 1831 tagte hier der erste konstituierende Landtag. Im Zuge der Demokratiebewegung von 1848 wurden hier Gesetze verabschiedet, die zur Liberalisierung der sächsischen Gesellschaft beitragen sollten. Die Geschichte des Landhauses als Symbol für den Parlamentarismus in Sachsen und somit für den Kampf um Demokratie, ist bei den Stadtbewohner:innen längst in den Hintergrund geraten. Für Zugewanderte ist diese Geschichte völlig unbekannt.

Anknüpfend an die demokratische Tradition des Hauses möchten wir unser Museum für die Stadtgesellschaft öffnen und es zu einem Ort der Teilhabe machen! Wie die Stadtgesellschaft ihre Geschichte(n) erzählt, wann, wo, wie und an wen erinnert wird und wer im Museum sichtbar gemacht wird, ist in unserer Demokratie von Bedeutung.

Was ist das Projekt „Gemeinsam sammeln! Stimme geben!“?

Museale Sammlungen sind die Gedächtnisse der Stadtgesellschaft. Dinge erzählen Stadtgeschichte(n). Der Prozess des Sammelns wird aber normalerweise von Museumsexpert:innen durchgeführt – ohne Bürgerbeteiligung. So entstehen Sammlungen hinter verschlossenen Türen, die die Stadtgesellschaft oft nicht in ihrer ganzen Breite widerspiegeln. Das möchten wir ändern!

Mit einer kleinen und festen Gruppe von Ukrainer:innen beabsichtigen wir, unsere Sammlung quantitativ zu erweitern und zu ergänzen sowie Geschichte(n), Erfahrungen und Erlebnisse zu sammeln und über mitgebrachte Gegenstände, sowie Fotografien und Dokumente zu diskutieren und miteinander ins Gespräch zu kommen. Unser Motto lautet „Mitreden! Mitmachen! Mitbestimmen“.

Die Gegenstände, die von den Teilnehmenden mitgebracht und in unseren Werkstätten diskutiert werden, werden anschließend mit der Methode des kreativen Schreibens zum Sprechen gebracht und in unserem Museum präsentiert. Wir erhoffen uns damit die Vielfalt und Heterogenität der Dresdner Stadtgesellschaft „festzuhalten“ und wichtige Erfahrungen zu sammeln, sodass wir mit weiteren Gesellschaftsgruppen perspektivisch ins Gespräch kommen und gemeinsam sammeln. Unser Projekt wird durch die Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte gefördert.

Wer kann mitmachen?

Wir suchen Menschen aus der Ukraine mit einfachen Deutschkenntnissen (ein:e Muttersprachler:in mit guten Deutschkenntnissen wird dabei sein), die im Krieg geflohen sind und heute in Dresden leben, sowie Ukrainer:innen, die längst hier leben und/oder Geflüchtete unterstützen, die bereit sind, ihre Erfahrungen in Dresden, ihre Geschichten und Meinungen in der Gruppe zu teilen und die Erinnerungskultur unserer Stadt mitzuprägen. Denn Demokratie heißt Teilhabe!

Wenn Sie mitmachen wollen, melden Sie sich bitte bei uns.