Viele Vogel- und Fledermausarten haben sich im Laufe der Zeit an das Leben in menschlichen Siedlungen angepasst. Für sie können Plattenbauten sogar ideale Lebensräume sein.

Gastbeitrag von Sylvia Siebert, NABU Dresden

Die zahlreichen Spalten, Fugen und Hohlräume an Gebäuden ähneln den Felsspalten, in denen diese Kulturfolger ursprünglich lebten. Auch Bereiche unter Dachkanten, Fensterbrettern oder den Dachdrempeln der Plattenbauten bieten geschützte Rückzugsorte. Besonders Fledermäuse und auch Mauersegler nutzen solche Habitate häufig und bilden dort mitunter ganze Kolonien.

Zu den typischen Gebäudebrütern gehören neben dem Mauersegler der Haussperling, Feldsperling, Hausrotschwanz, Star, Kohl- und Blaumeise, Rauch- und Mehlschwalbe sowie Dohle und Turmfalke. Während die Bestände von Kohl- und Blaumeise in den vergangenen 40 Jahren leicht zugenommen haben, sind die meisten anderen Arten deutlich zurückgegangen. Besonders stark betroffen ist der Star, dessen Bestand in Deutschland seit den 1980er Jahren um rund 55 Prozent gesunken ist. Auch Feldsperling und Mauersegler verzeichnen erhebliche Rückgänge.

Hausrotschwanz
Turmfalke, © Frank Derer, NABU
Haussperling im Nistkasten

Deshalb sind alle Gebäudebrüter nach Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt, der Turmfalke streng geschützt. Die Dohle wird in der Roten Liste Sachsens als gefährdet gelistet, Haus- und Feldsperling stehen auf der Vorwarnliste Sachsens bzw. Deutschlands.

Seit den 1990er Jahren wurden viele Plattenbauten modernisiert und energetisch saniert. Dabei werden die Fassaden häufig mit Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) versehen. Das verbessert zwar die Energieeffizienz der Gebäude, verschließt jedoch oft die Spalten und Hohlräume, die Vögeln und Fledermäusen als Nist- und Ruheplätze dienen.

Ei in Fugenspalte

Um diesen Verlust auszugleichen, werden bei Sanierungen zunehmend Ersatzquartiere geschaffen. Dazu gehören spezielle Nistkästen oder in die Fassade integrierte Brut- und Fledermausquartiere. Die rechtliche Grundlage dafür liefert § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes, das die Zerstörung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten geschützter Arten verbietet. Werden Brutplätze beseitigt, müssen sie durch neue Quartiere ersetzt werden – bei Vögeln in der Regel im Verhältnis 2:1, bei Fledermäusen sogar 3:1.

Ein erfolgreiches Beispiel ist das Programm „Schutz gebäudebewohnender Tierarten bei der Sanierung unserer Städte“ des Naturschutzinstitutes Region Dresden e.V., fortgeführt durch den NABU-Regionalverband Dresden-Meißen e.V. Im Rahmen dieses Projekts wurden zwischen 1996 und 2020 in Dresden und Meißen rund 13.000 neue Ersatzquartiere geschaffen. Heute gibt es dort insgesamt mehr als 22.000 Nist- und Fledermausquartiere, die bedrohten Arten neuen Lebensraum bieten.

Vor- und Nachteile verschiedener Ersatzquartiere

Jetzt, nach 30 Jahren, fehlen jedoch Aussagen zu deren Effizienz. Welche Ersatzquartiere sind geeignet, wie werden diese angenommen, welche Konflikte gibt es?

Sind die Ausgaben also gerechtfertigt und holt sich der Bauherr auch keine Nässe oder Wärmebrücken in die Dämmung? Annahmequoten sind in der NABU-Broschüre „Artenschutz an Gebäuden“ dargelegt. Eine andere Möglichkeit: Integrative Quartiere werden direkt in der Fassade (Schlitze von etwa 3 x 10 – 20 Zentimeter im ehemaligen Fugenbereich) oder durch Erschließung des Traufbereichs gestaltet. Das hat den Vorteil, keinen Lieferengpässen ausgeliefert zu sein und Kosten zu sparen. Auch kommt die geringe Auffälligkeit dem Denkmalschutz entgegen. Allerdings: Was der Denkmalpfleger nicht sieht, sieht auch der Vogel nicht: Wir konnten bisher keinerlei Besiedlung finden, anders als in Traufquartieren. Hier wurden Besiedlungsquoten von 36 bis 100 Prozent erzielt.

Gut zu wissen

Kästen aus Pflanzenfaserbeton weisen auch nach über 20 Jahren eine gute Haltbarkeit auf, klimaausgleichende Zuschlage wie Lehm und Ton isolieren und beugen der Entstehung von Schwitzwasser vor. Dahingegen können Holzbeton und Pressspanplatten nicht empfohlen werden. 79 Prozent der untersuchten Kästen wiesen bereits nach wenigen Jahren Schimmel und Verwitterungsschaden auf.

Dass es einige Jahre dauern kann, bis Vögel die Ersatzquartiere beziehen, sollte man einplanen. Es sei denn, der Besiedlungsdruck war bereits vor der Sanierung hoch. Vorher-Nachher-Vergleiche wiesen deutliche Stabilisierungen bis zu einer Verfünffachung der Population auf. Überhaupt erwies sich das Nahrungshabitat als entscheidender Faktor. Vögel brauchen proteinreiche Insektennahrung während der Jungenaufzucht. Diese finden sie auf extensiven und naturnah gepflegten Grünflachen in Stadtvierteln in offener Bauweise. Dann verzeihen unsere Gebäudebrüter auch Konstruktions- und Einbaufehler.

Artenreiche und insektenfreundliche Blühwiese, Rathener Straße in Dresden
Sanieren und Brüten – nicht selten geschieht beides parallel

Kollision an Glas effizient vorbeugen

Zu wohnlichen Plattenbausiedlungen gehört auch Bauen mit Glas: Menschen möchten sich in energieeffizienten und transparenten Wohnhäusern mit viel Licht und Nähe zur Natur geborgen fühlen. Andererseits sterben jährlich in Deutschland 110 Millionen Vögel an Glasflächen, das heißt etwa zwei bis 20 pro Gebäude und Jahr. Damit ist Vogelkollision an Glas einer der Hauptgefährdungsfaktor für Bestandsrückgänge an Brutvögeln in Deutschland.

Bei der Nahrungssuche verunglückten Räuber und Beute gleichermaßen durch Kollision am Glas, © Marion Lehnert
So nicht – Kollisionsrisiko!

Gefährlich wird es für Vögel aufgrund von Transparenz und Reflexion unter anderem an großen Fenstern und Wintergärten – aufgrund hoher Reflexion insbesondere an Isolierglasfenstern und Sonnenschutzgläsern mit hoher Dicke. Pflanzen und Wasserflächen in der Nähe erhöhen das Risiko zusätzlich. Die Landesarbeitsgemeinschaft Vogelschutzwarten entwickelte ein Schema zur Abschätzung des Gefährdungspotenzials (vgl. Tabelle). Private Bauherren können diese Gefährdungspotenziale mit verschiedenen Mitteln entschärfen.

Transluzente Materialien etwa senken das Kollisionsrisiko erheblich: Mattglas, sandgestrahlte Gläser, Verkleidung mit Holzelementen oder vorgelagerte Fassadenbegrünung. Auch Siebdrucke lassen sich relativ preiswert realisieren. Per Digitaldruck mittels Partikelaufspritzung durch Plotter lassen sich dünne, kratzfeste Rasterdesigns erzielen. Durch Fusing, also Glasauftrag durch Verschmelzung bei 850 Grad Celsius, entstehen exklusive Unikate mit halbtransparenten Effekten.

Als nachträgliche Lösungen bieten sich außen angebrachte Dekor-, Adhäsions-, Sandstrahl-, Siebdruck- und Digitalfolie an. Flugtunnelgetestete Herstellerbeispiele finden sich in der vom NABU-Regionalverband Dresden-Meißen herausgegebenen Broschüre „Glasdesign und Vogelschutz“.

Im Druckverfahren hergestelltes Vogelschutzglas, © glaströsch
Mustersandstrahlung, © Andreas Garn

Wirksam sind helle Farben, große Flächen sowie die Handflächenregel: Weitere Abstände zwischen den Markierungen als eine Handfläche sind für einen Vogel, der hindurch fliegen will, zu groß. Das schließt die bekannten schwarzen Vogelaufkleber als unwirksam aus, die zudem bei Sonneneinstrahlung auf hellem Grund unter Umständen zu Spannungsrissen führen können.

Kastenvielfalt in Meißen
Integratives Fledermaus-Wandelement, Hochschulstraße, Dresden
Kästen für Mauersegler und Sperling im Otto-Reinhold-Weg in Dresden
Handflächenregel, © Marion Lehnert, NABU

UV-Markierungen, wie beispielsweise Birdpens, die das Sehvermögen der Vögel im für den Menschen unsichtbaren UV-A-Bereich nutzen, erwiesen sich sowohl im Flugtunnel- als auch im Feldversuch als wenig geeignet bis unwirksam. Die durch den Pen erzeugten Kontraste sind nur dann relevant, wenn sich hinter der Scheibe eine UV-Quelle oder deren Reflexion befindet, was an Fenstern zu Innenräumen im Allgemeinen nicht der Fall ist. Zu diskutieren wäre eine Eignung in Einzelfällen an großen Glasfassaden mit Himmel oder Wasser im Hintergrund.

Fazit: Klimafreundliches Bauen, Ästhetik und Artenschutz müssen einander nicht ausschließen!

Turmfalke

Wenn nicht anders bezeichnet für alle Fotos: © Sylvia Siebert, NABU

Zur Person

Sylvia Siebert ist Projektleiterin Natur- und Artenschutz beim NABU Dresden-Meißen e.V.
www.nabu-dresden.de